Polarity-Therapie
Polarity wurde von Dr. Randolph Stone entwickelt. Er verband sein Wissen aus Osteopathie, Chiropraktik und Naturheilkunde mit Erkenntnissen aus verschiedenen östlichen und westlichen Heiltraditionen.
Daraus entstand eine Methode, die auf fünf miteinander verbundenen Säulen beruht.
Die fünf Säulen der Polarity-Therapie
Präsenz und therapeutische Haltung
Die innere Haltung der Therapeutin ist ein wesentlicher Teil der Behandlung. Achtsamkeit, Empathie, Respekt und möglichst wertfreies Zuhören schaffen einen Rahmen, in dem das eigene Erleben wahrgenommen werden darf.
Dabei gehe ich nicht davon aus, bereits zu wissen, was ein Symptom bedeutet oder was für einen Menschen richtig ist. Wir erkunden gemeinsam, was sich zeigt und wie es erlebt wird.
Körper- und Energiearbeit
Die Körperarbeit findet meistens bekleidet auf einer Behandlungsliege statt. Je nach Situation können auch Sequenzen im Sitzen oder Stehen einbezogen werden.Die Berührung kann sanft und lauschend, rhythmisch und bewegend oder tiefer und strukturbezogen sein. Häufig werden zwei Körperbereiche gleichzeitig berührt und miteinander in Beziehung gebracht. Dadurch können Zusammenhänge, Spannungsmuster und Unterschiede im Körper deutlicher wahrnehmbar werden. Die Intensität richtet sich danach, was im jeweiligen Moment stimmig ist und womit die behandelte Person in Kontakt bleiben kann.
Gespräch und Prozessbegleitung
Das Gespräch hilft, Wahrnehmungen in Worte zu fassen und körperliches Erleben mit der gegenwärtigen Lebenssituation zu verbinden. Manchmal entsteht dabei eine neue Sicht auf vertraute Reaktionsweisen, Bedürfnisse oder innere Konflikte.Es geht nicht in erster Linie darum, etwas zu analysieren oder möglichst schnell eine Lösung zu finden. Auch Nichtwissen, Widersprüche und noch unklare Erfahrungen dürfen da sein. Therapieziele und die Ausrichtung der Begleitung werden gemeinsam entwickelt und können sich im Verlauf verändern.
Bewegung und Polarity-YogaPolarity-Yoga
Umfasst einfache Atem-, Dehn- und Bewegungsübungen ebenso wie dynamischere Abläufe, kraftvollere Haltungen, den Einsatz der Stimme und stille Formen der Wahrnehmung. Die Übungen werden an den jeweiligen Menschen und seine Situation angepasst. Dabei steht nicht die korrekte Ausführung im Mittelpunkt, entscheidend ist, wie eine Bewegung erlebt wird und was sich dadurch verändert. Die Übungen können helfen, Erfahrungen aus der Behandlung selbständig zu vertiefen und in den Alltag mitzunehmen.
Ernährung und Selbstfürsorge
Ernährung bildet traditionell eine der fünf Säulen der Polarity-Therapie. Das ursprüngliche Ernährungskonzept orientiert sich unter anderem an den fünf Elementen und an ayurvedischen Grundlagen.In meiner Arbeit steht dieser Bereich nicht im Vordergrund. Bei Bedarf können Fragen zu Ernährung, Wohlbefinden, Selbstfürsorge und dem persönlichen Energiehaushalt jedoch in die Begleitung einfliessen. Dabei geht darum, gemeinsam zu erkunden, was im Alltag nährt, stärkt und unterstützt.
Leben ist Energie in Bewegung
Im Verständnis der Polarity-Therapie ist Leben Energie in Bewegung. Diese Lebensenergie zeigt sich körperlich, emotional, gedanklich und im Bewusstsein.
Dr. Stone entwickelte dazu eine sogenannte Energie-Anatomie. Sie ist eine Landkarte, die unter anderem Polaritäten, Energiezentren, Strömungen, Reflexbeziehungen und die fünf Elemente miteinander verbindet. Die klassische körperliche Anatomie und die Energie-Anatomie werden dabei nicht als Gegensätze verstanden, sondern als unterschiedliche Zugänge zum menschlichen Erleben.
Diese Modelle dienen nicht dazu, einem Menschen eine feste Bedeutung oder Diagnose zuzuschreiben. Sie geben Orientierung für die Körperarbeit und helfen dabei, verschiedene Bereiche und Ebenen des Erlebens miteinander in Beziehung zu bringen.
Lebensenergie zeigt sich ganz konkret darin, wie wir atmen, uns bewegen, Spannung aufbauen und lösen, Gefühle ausdrücken, denken und mit unserer Umwelt in Kontakt treten.
Wo Bewegung möglich ist, können wir auf Veränderungen antworten. Wir können uns anspannen und wieder lösen, aktiv werden und ruhen, Kontakt aufnehmen und uns abgrenzen. Wenn diese Beweglichkeit eingeschränkt ist, kann sich das beispielsweise als Spannung, Schmerz, Erschöpfung, Unruhe oder als Gefühl des Feststeckens zeigen.
Polarity-Therapie versucht nicht, einen unerwünschten Zustand einfach zu beseitigen. Sie unterstützt dabei, das eigene Spektrum wieder zu erweitern und zwischen unterschiedlichen Zuständen beweglicher zu werden.
Gesundheit bedeutet aus dieser Sicht nicht, sich immer ruhig, ausgeglichen und wohlzufühlen. Sie zeigt sich vielmehr in der Fähigkeit, wahrzunehmen, auf innere und äussere Veränderungen zu reagieren und nach einer Belastung wieder mehr Verbindung und Regulation zu finden.
Leben bewegt sich zwischen Polen
Der Name Polarity verweist auf ein Grundprinzip des Lebens, Bewegung entsteht zwischen Polen.
Einatmen und Ausatmen, Aktivität und Ruhe, Nähe und Distanz, Ausdruck und Rückzug, Festhalten und Loslassen gehören zusammen. Kein Pol ist grundsätzlich besser als der andere. Schwierig wird es vor allem dann, wenn eine Seite kaum mehr zugänglich ist oder wir in einem Zustand feststecken.
Manche Menschen können sich gut um andere kümmern, nehmen die eigenen Bedürfnisse jedoch kaum wahr. Andere sind ständig aktiv und finden nur schwer zur Ruhe. Manchmal ist viel Spannung vorhanden, manchmal eher Schwere, Erschöpfung oder ein Gefühl des Abgeschnittenseins.
In der Behandlung geht es nicht darum, einen Pol durch seinen vermeintlich besseren Gegenpol zu ersetzen. Vielmehr können beide Seiten wahrgenommen und miteinander in Beziehung gebracht werden. So kann zwischen ihnen wieder mehr Wahl und Bewegung entstehen.
Drei grundlegende Bewegungsqualitäten
Polarity beschreibt drei grundlegende Qualitäten, in denen sich Energie bewegt: neutral, positiv und negativ.
Die drei Prinzipien zeigen sich sowohl im menschlichen Erleben als auch in der Art der Berührung.
Der neutrale Pol – Sattva
Der neutrale Pol steht für Raum, Mitte, Präsenz und Potenzial. Noch ist nichts festgelegt. Etwas kann wahrgenommen werden, bevor daraus eine konkrete Bewegung oder Handlung entsteht.
Diese Qualität kann als Innehalten, innere Weite oder aufmerksames Lauschen erfahrbar werden. Neutralität beschreibt ein Dasein, das nicht sofort eingreift oder etwas in eine bestimmte Richtung lenken muss.
In der Körperarbeit zeigt sich diese Qualität häufig in einem stillen, sanften und lauschenden Kontakt.
Der positive Pol – Rajas
Der positive Pol steht für Impuls, Aktivierung, Richtung und Ausdruck. Etwas möchte beginnen, sich ausdehnen, nach aussen treten oder gestaltet werden.
Diese Qualität kann sich als Lebendigkeit, Entschlossenheit, Bewegung oder Gestaltungskraft zeigen. Wird sie sehr stark oder findet sie keinen passenden Ausdruck, kann sie auch als Druck, Unruhe oder Getriebenheit erlebt werden.
In der Körperarbeit zeigt sich diese Qualität in rhythmischen, aktivierenden, bewegenden oder richtungsgebenden Impulsen.
Der negative Pol – Tamas
Der negative Pol steht für Verdichtung, Verkörperung, Struktur und materielle Form. Er ermöglicht, dass etwas Gewicht bekommt, Form annimmt und im Körper oder im Leben ankommt.
Diese Qualität kann Halt, Tiefe und Stabilität geben. Wird sie sehr fest, kann daraus Starrheit, Schwere oder ein Gefühl des Feststeckens entstehen.
In der Körperarbeit zeigt sich diese Qualität in einer kraftvolleren und tieferen Arbeit am Gewebe.
Eine Behandlung kann deshalb sehr ruhig und fein, aber ebenso dynamisch, kraftvoll oder intensiv sein. Welche Berührungsqualität zum Einsatz kommt, richtet sich nach dem Anliegen, der Situation und dem Verlauf der Behandlung.
Der formative Prozess – wie etwas Gestalt annimmt
Polarity versteht Entwicklung als einen formativen Prozess, ein zunächst feiner Impuls bewegt sich durch verschiedene Ebenen, verdichtet sich und nimmt schliesslich konkrete Form an. Diese Bewegung vom noch Formlosen in Richtung Verkörperung wird als Involution bezeichnet.
Ein innerer Impuls ist zu Beginn oft noch kaum greifbar. Vielleicht zeigt er sich als leise Körperempfindung, Bild, Gedanke, Sehnsucht oder Bewegung. Nach und nach kann daraus eine Richtung, eine Entscheidung und schliesslich eine konkrete Handlung entstehen.
Nicht jeder Impuls kann diesen Weg ungestört durchlaufen. Vielleicht erscheint eine Handlung zu riskant. Vielleicht haben wir gelernt, bestimmte Gefühle, Bedürfnisse oder Bewegungen zurückzuhalten. Der Impuls verschwindet dadurch nicht unbedingt. Er kann als Spannung, innere Unruhe, Erschöpfung oder wiederkehrender Konflikt spürbar bleiben.
Die therapeutische Arbeit bietet einen Rahmen, in dem solche noch nicht vollendeten Bewegungen wahrgenommen und in einem angemessenen Tempo weitergeführt werden können.
Involution und Evolution
Auf die Bewegung in eine Form folgt auch wieder eine Bewegung aus ihr heraus. In der Polarity-Therapie wird diese Gegenbewegung als Evolution beschrieben.
In der Involution bewegt sich ein Impuls vom noch Formlosen in Richtung Verkörperung. Etwas verdichtet sich, nimmt Gestalt an und wird erfahrbar. In der Evolution kehrt sich diese Bewegung um. Das Gewordene öffnet und löst sich wieder und bewegt sich zurück in Richtung Verbindung und Einheit.
Beide Bewegungen gehören zusammen und bilden einen fortwährenden Zyklus.
Diese Prinzipien lassen sich auch in menschlichen Entwicklungsprozessen wiederfinden, etwas entsteht, nimmt Form an, wird gelebt und kann sich zu gegebener Zeit wieder verändern oder lösen. So gehen wir im Leben immer wieder von einer Form in die nächste.
Gewohnheiten, Beziehungen, Aufgaben und Vorstellungen geben uns über eine gewisse Zeit Halt und Orientierung. Irgendwann kann eine vertraute Form jedoch zu eng werden oder nicht mehr zu dem passen, was sich im Inneren verändert hat.
Besonders herausfordernd sind die Übergänge. Das Alte trägt nicht mehr, während das Neue noch nicht sichtbar oder greifbar ist. Diese Zwischenzeit kann sich unsicher, leer oder orientierungslos anfühlen.
Polarity-Therapie kann dabei unterstützen, das Ende einer bisherigen Form wahrzunehmen, die Zeit des Nichtwissens auszuhalten und den zunächst noch leisen Impulsen einer neuen Form Raum zu geben. Im Mittelpunkt steht das, was sich aus dem eigenen Erleben heraus entwickeln und verkörpern möchte.
Die fünf Elemente
Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde bilden in der Polarity-Therapie eine weitere Orientierung. Sie beschreiben unterschiedliche Qualitäten von Raum, Bewegung, Ausdruck, Beziehung und Verkörperung. Die folgenden Begriffe sind als Annäherung zu verstehen und nicht als abschliessende Definition:
Äther steht für Raum, Offenheit und die Möglichkeit, dass etwas entstehen kann.
Luft bringt Bewegung, Austausch und Leichtigkeit.
Feuer steht für Kraft, Richtung und Verwandlung.
Wasser steht für Verbindung, Anpassungsfähigkeit und emotionale Bewegung.
Erde gibt Halt, Struktur und konkrete Form.
In der Polarity-Therapie werden die Elemente mit Körperbereichen, Organfunktionen, Sinnen, Gefühlen, Bewegungsqualitäten und unterschiedlichen Formen des Erlebens in Beziehung gebracht. Sie dienen als symbolische Landkarte und können unterstützen verschiedene Seiten des gegenwärtigen Erlebens wahrzunehmen, einzuordnen und miteinander zu verbinden.
In der Behandlung erkunden wir, welche Qualitäten bereits gut zugänglich sind, welche gerade stark im Vordergrund stehen und welche vielleicht mehr Raum oder Unterstützung brauchen.
Wie eine Behandlung abläuft
Zu Beginn einer Sitzung besprechen wir, was dich im Moment beschäftigt und was du dir von der Begleitung wünschst. Du musst dein Anliegen dabei nicht bereits vollständig verstehen oder in klare Worte fassen können.
Die Körperarbeit findet in der Regel bekleidet auf einer Behandlungsliege statt. Häufig werden mit den Händen zwei Körperbereiche miteinander in Beziehung gebracht. Die Berührung kann sehr sanft und lauschend, rhythmisch und bewegend oder etwas tiefer und strukturbezogen sein.
Je nach Situation können auch Sequenzen im Sitzen oder Stehen, Bewegungsübungen und Zeiten des Nachspürens einbezogen werden. Berührung, Gespräch und Stille wechseln sich so ab, wie es für den jeweiligen Prozess stimmig ist.
Wir orientieren uns an deiner Wahrnehmung, deinen Ressourcen und an einem Tempo, in dem genügend Sicherheit und Wahlmöglichkeiten erhalten bleiben.
